Heiko Herrlich, der in Trikot während eines Spiels mit auslandender Gestik seinem Team etwas zuruft.

 

 

 

"Pokale

interessieren

mich nicht"

Redaktion
Benedikt Boegle

Fotos GRANDIOS
u.a. Uwe Moosburger

Mit SSV Jahn Regensburg schaffte er den Durchmarsch von der 4. in die 2. Liga. Jetzt trainiert er Bayer Leverkusen in der Bundesliga. Erstklassig war Heiko Herrlich schon als Spieler. Mit GRANDIOS sprach er über Leistungssport und Rückschläge, über seinen Glauben und die Kraft, immer wieder aufzustehen. 

Heiko Herrlich, wenn ich Sie vorstelle, würde ich Ihre Erfolge aufzählen: Sie sind deutscher Meister geworden, Champions-League-Sieger, Nationalspieler waren Sie auch. Wie würden Sie sich selbst vorstellen?

Heiko Herrlich: Ich war der Junge, der mit sechs Jahren davon geträumt hat, Weltmeister zu werden. Ich habe angefangen Fußball zu spielen – auf dem Schulhof, mit Freunden, dann in Jugendvereinen. Der liebe Gott hat mich mit Talent gesegnet, das ich mir selbst nicht erarbeitet habe. Damit konnte ich im Profibereich Fuß fassen. Meine Leidenschaft wurde zu meinem Beruf. Ich hatte eine sehr schöne und sehr erfolgreiche Profikarriere mit tollen Vereinen. Ich habe sowohl in Leverkusen, in Gladbach als auch in Dortmund in großartigen Mannschaften gespielt und Titel gewonnen.

Ist es das, worum es im Fußball geht? Die Titel?

Titel haben für mich keine große Bedeutung. Besonders waren die Menschen, denen ich begegnete bin. Jorginho zum Beispiel hat mich sehr geprägt. Er war Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft bei der WM 94 in den USA. Jorginho hatte ein erstklassiges Auftreten – auch außerhalb des Platzes: Er war zu allen gleich – ob zur Putzfrau, zum Platzwart, zum Zeugwart, zu Mitspielern oder wenn Reiner Calmund reinkam. Jorginho hat sein Christsein gelebt. Das hat mich sehr beeindruckt. Er war immer mein Vorbild.

„ICH HABE AUCH MIT GOTT GEHADERT.“

Sie haben Ihre Fußballkarriere als schöne Zeit bezeichnet, aber Sie hatten auch harte Rückschläge zu verkraften. Ein einschneidendes Erlebnis war der Gehirntumor, an dem Sie während Ihrer Karriere als Profisportler erkrankt sind. In dieser Zeit haben Sie viel über Gott gesprochen: Ihr Leben würde in Gottes Hand liegen, er hätte den Weg für Sie vorherbestimmt. Eigentlich hatten Sie als Spitzensportler doch alles richtig gemacht: Sie waren körperlich topfit, haben nie getrunken oder geraucht. Und plötzlich hatten Sie diesen Tumor. Haben Sie nie mit Gott gehadert, ihm die Schuld gegeben?

Nein, das habe ich in der Phase, in der ich den Hirntumor hatte, nicht getan. Ich habe in meinem Leben auch mit Gott gehadert und meine Zweifel gehabt, wie das bei jedem Gläubigen der Fall ist. Ich hatte mit Gott auch meine Gefechte, wie Hiob. Ich habe Gott gefragt: Warum muss ich das jetzt ertragen? Tief in mir hatte ich dennoch ein unerschöpfliches Gottvertrauen. Ich glaube, dass alles so seine Richtigkeit hat. Ich zitiere diesbezüglich gerne die Bibel. Im Buch der Sprüche heißt es: „Verlasse dich von ganzem Herzen auf den Herrn und verlasse dich nicht auf deinen Verstand, so wird er deinen Weg dir rechtens zeigen.“(Spr. 6,3)

Ist Glaube für Sie Privatsache oder prägt er auch Ihre Arbeit? Gehen Sie an die ein oder andere Aufgabe anders heran als Ihre Trainerkollegen?

Wie andere Trainerkollegen im Detail arbeiten, weiß ich nicht. Meinen missionarischen Auftrag, den ich als Christ habe, erfülle ich mal mehr, mal weniger. Es gab Phasen, da habe mich zu meinem Glauben überhaupt nicht geäußert, weil ich das als meine Privatsache angesehen habe. Es gab aber auch Phasen, in denen ich das Verlangen hatte, meinen Glauben zu teilen, ihn weiterzugeben. Damit habe ich mich immer wohler gefühlt. Gerade während beziehungsweise nach meiner Hirntumor-Erkrankung wollte ich das Glück, das ich empfunden habe, weitergeben: Die Erfahrung, dass man getragen wird.

Wie halten Sie es heute mit Ihrem Glauben?

Ich möchte die Leute, auch meine Spieler nicht überfordern. Aber ich zitiere immer wieder mal aus der Bibel. Gerade wenn es Probleme innerhalb der Mannschaft gibt. Da gibt es einige passende Textpassagen.

In welchen Situationen machen Sie das?

Vor allem, wenn jemand einen Fehler gemacht hat. Wo Menschen miteinander arbeiten, gibt es Spannungen untereinander. Unterschiedliche Vorstellungen, unterschiedliche Mentalitäten und unterschiedliche Kulturen prallen aufeinander. Das ist nicht nur im Fußball so, sondern gilt genauso für jedes Versicherungsbüro und jede Schule. Wenn jemand einen Fehler gemacht hat, wird er meist in die Ecke gestellt. Dann ist er der Schuldige, der Böse. In solchen Situationen fällt mir ein Gleichnis aus dem Johannesevangelium ein: Eine Ehebrecherin sollte gesteinigt werden. Jesus kommt dazu. Die Leute sagen zu ihm: Die Frau hat die Ehe gebrochen, sie muss gesteinigt werden; was sollen wir tun? Jesus kritzelt daraufhin etwas auf den Boden und sagt: Wer von Euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen. Nach und nach gehen alle weg, die Alten zuerst.

"Auch wenn die Sünde noch so groß ist: Es geht immer wieder darum, zu vergeben."

Was wollen Sie Ihren Spielern damit sagen?

Mich beeindruckt diese Geschichte sehr. Gerade die Alten wissen: Wir haben in unserem Leben selbst genug Fehler gemacht. Auch wenn die Sünde noch so groß ist: Es geht immer wieder darum, zu vergeben. Wir dürfen uns nicht zum Richter machen, sondern müssen immer wieder aufeinander zugehen und uns verzeihen. In der Theorie sagt sich das leicht. Praktisch ist das schwieriger. Aber Jesus hat uns ein Beispiel gegeben. Er ist der Maßstab für uns Christen. Mit solchen Bibelstellen versuche ich, meinen Spielern den Druck zu nehmen, der auf ihnen lastet. Jeder hat schon Fehler gemacht.

Ernten Sie auch Spott, wenn Sie aus der Bibel vorlesen? Lächelt da auch mal einer?

Ja, das kommt vor. Früher hat mir das mehr ausgemacht. Das war in den Phasen, in denen ich meinen missionarischen Auftrag auf nahe Null reduziert hatte. In diesen Situationen habe ich mich eher geschämt. Da haben meine Eitelkeit und mein Stolz gesiegt. Wir wissen, dass Jesus Eitelkeit und Stolz verabscheute. Da sieht er den Satan am Werk. Insofern ertrage ich Lächeln und Spott. Ich bin überzeugt, für Christen ist es richtig, sich zum Glauben zu bekennen.

Wie sind Sie mit den zahlreichen Rückschlägen in Ihrem Leben umgegangen? Wie schafft man es, sich immer wieder aufzuraffen, sich neu zu motivieren, sich wieder und wieder heranzukämpfen?

Auch diesbezüglich bin ich vom lieben Gott mit Talent gesegnet. Ich habe eine hohe Frustrationstoleranz. Ich halte das übrigens für eine wichtige Fähigkeit. Das gehört meines Erachtens wesentlich zur Persönlichkeitsbildung. Persönlichkeit ist neben Technik, Taktik und Athletik ein zentraler Leistungsfaktor im Sport. Ohne diese Frustrationstoleranz hat man im Leistungssport keine Chance. Mit Gottvertrauen kommt man auch mit Rückschlägen besser zurecht.

Geht das tatsächlich so einfach?

Nein, einfach ist das nicht. Ich brauche schon Hilfestellungen. Darum gehe ich dann beispielsweise ins Gebet. Ich hadere, kämpfe, zweifle wie jeder andere auch. Aber wenn ich mein Leben rückblickend betrachte, bin ich trotz aller Niederschläge dankbar. Und Niederschläge gab es in der Tat etliche: Nicht nur Verletzungen, Krankheiten und der Hirntumor. Zwei Jahre später hatte ich eine Gesichtsfraktur, die letztlich mein Karriereende bedeutet hat. Das hat mich schwer zurückgeworfen. Als Christ habe ich eine Scheidung hinter mir. Auch das steckt man nicht einfach weg. Und trotzdem: Wenn eine Tür zuging, ist eine andere aufgegangen.

Als Trainer gelten Sie als jemand, der gut mit jungen Spielern arbeitet. In Regensburg hatten Sie viele junge Profis im Kader, die im Lauf ihrer Karrieren Rückschläge erfahren mussten. Ähnlich wie Sie. Auch in Leverkusen sind sie als Trainer in der Position, in solchen Situationen Hilfestellungen zu geben. Was raten Sie Ihren Spieler?

Das sind in der Tat schwierige Situation. Das Fußballgeschäft ist ein Kommen und Gehen. Und alles dreht sich um Leistung. Die Leute erwarten Siege von dir. Was zählt, ist die Leistung auf dem Platz. Dafür wirst du bezahlt. Verletzungen oder Formschwankungen werfen dich zurück. Das ist immer bitter. In einem Kader, der aus 20 bis 25 Spielern besteht, muss man kämpfen und Leistung bringen. Ich bin überzeugt: Der Teamgedanke muss dennoch stets im Vordergrund stehen. Auch wenn man nicht unter denen ist, die auf dem Platz stehen. Was ich vorhin über Frustrationstoleranz gesagt habe, genau das lege ich meinen Spielern ans Herz.

"Da spürt man, dass da jemand ist, der einem hilft."

Was bedeutet das konkret?

Ich versuche, meinen Spielern Folgendes klar zu machen: Wenn du drei Monate verletzt bist, nützt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Nicht mehr an dich zu glauben und nicht mehr aufzustehen, bedeutet, drei Monate zu verlieren. Wenn man es in dieser negativen Mentalität angeht, vielleicht sogar noch mehr. Nimm die Situation an und versuche, das Beste daraus zu machen. Das bringt weiter! In solchen Situationen ist es ein Vorteil, wenn man an Gott glaubt und ihm vertraut. Da spürt man, dass da jemand ist, der einem hilft.

Als Fußballer beziehungsweise jetzt als Trainer können Sie jeden Spieltag gewinnen, aber auch jede Woche verlieren. Auf Ihnen lastet ein enormer Leistungsdruck. In der Bundesliga hängt vom Erfolg auch sehr viel Geld ab. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Der Druck ist in der Tat enorm. Aber der Druck von außen ist in meinem Fall nicht der größte. Härter ist der Druck, den ich mir selbst mache. Mein Anspruch, das Bestmögliche zu geben und gute Arbeit abzuliefern, ist groß. Keiner kann mich von außen so unter Druck setzen wie ich mich selbst. Ich komme mit mir immer dann klar, wenn ich das Gefühl habe, mein Bestes gegeben zu haben.

Wenn man so viele Titel gewonnen hat wie Sie, wie motiviert man sich dann für immer neue Ziele? Ist man nicht irgendwann satt und hat genug von allem?

Ich will sehen, dass mein Team als Mannschaft auf dem
Platz steht. Ich will eine Einheit formen, die miteinander arbeitet und füreinander einsteht. Jeder für jeden. Jeder muss sein Bestes gegeben, als Einzelspieler und mit den Mannschaftskollegen zusammen. Das treibt mich an. Wenn ich sehe, dass sich meine Spieler gemeinsam aufreiben, dass sie kämpfen bis zum Umfallen und sich dann über einen Sieg freuen, ist das großartig. Wenn sie sich nach einer Niederlage den Mund abwischen, weil die anderen besser waren, dann ist das auch ok. Für mich ist es wichtig, auch als Trainer Diener zu sein. Dieses Dienen möchte ich leben. Ich möchte dem Anderen helfen, wenn er schwächelt, ihn bestärken, wenn er keine Kraft mehr hat. Füreinander einzustehen: Das ist das Schöne am Fußball oder überhaupt am Mannschaftssport. Siege, Niederlagen, Titel – das sind alles Konsequenzen aus Leistungsfähigkeit und dem jeweiligen Teamgeist. Pokale interessieren mich nicht. Die Gemeinschaft, das Miteinander, die christlichen Werte, die im Teamsport gefragt sind, das ist das Faszinierende. Das treibt mich an. Das ist der eigentliche Reichtum, mit dem Du beschenkt wirst, wenn Du Teil eines Teams bist, das füreinander da ist.

Kämpfer im Kurzporträt

Ein siegreicher Heiko Herrlich in gelbem Dortmundtrikot während eines seiner erfolgreichen vergangenen Spiele.

Heiko Herrlich wurde am 3.Dezember 1971 in Mannheim geboren. Sein Debüt als Fußballprofi feierte er am 23. August 1989 beim Bundesligaspiel Bayer Leverkusen gegen den Karlsruher SC. 

Bis 1993 blieb er in Leverkusen und wechselte dann zu Borussia Mönchengladbach (1993-1995), wo er auch Torschützenkönig in der Saison 94/95 wurde (20 Treffer, genauso wie Mario Basler vom SV Werder Bremen). Von 1995 bis 2004 erlebte er seine erfolgreichste Zeit als Sportler und gewann mit Borussia Dortmund die Champions League und den Weltpokal. Im Herbst 2001 wurde bei Heiko Herrlich ein Gehirntumor festgestellt. Er konnte jedoch die Krankheit besiegen und kehrte ein Jahr nach seiner Erkrankung aufs Spielfeld zurück. 2004 beendete er vorzeitig seine Karriere.

Herrlich wurde je zweimal Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. In der deutschen A-Nationalmannschaft kam er fünf Mal zum Einsatz (1995). Seine größten Erfolge als Trainer hatte er bisher mit dem DFB U-17 Nachwuchs bei der WM 2007 in Südkorea, als das Team Platz drei erreichte und mit dem SSV Jahn Regensburg. Er übernahm die Oberpfälzer im Dezember 2015. Nach dem Aufstieg in die dritte Liga gelang der sofortige Durchmarsch in die 2. Bundesliga. Das gelang bisher lediglich drei Mannschaften. Im bayerischen Derby setzte man sich in zwei Spielen souverän gegen den Traditionsklub 1860 München durch.  

Von Regensburg wechselt Herrlich als Trainer zur Bundesligasaison 2017/18 zum Erstligisten Bayer Leverkusen.

 

 

MIT HEIKO HERRLICH KAMEN DISZIPLIN UND DER ERFOLG NACH REGENSBURG

Redaktion
Armin Wolf

Sportreporter Armin Wolf im Portrait

ARMIN WOLF

Es ist Dezember 2015. Der SSV Jahn Regensburg hatte sich von Trainer Christian Brand getrennt, mit ihm schien ein Aufstieg in die dritte Fußballliga nicht mehr möglich. Ein neuer „Besen“ musste her. Ich befand mich gerade als Reporter in Österreich bei der Endrunde des Judo Europapokals, als ein Anruf eines Insiders kam: „Du, die holen Heiko Herrlich als Trainer“. Heiko Herrlich? Was fiel mir dazu ein? Championsleague-Sieger, Torschützenkönig und er hat eine schwere Krankheit überstanden. Zwei Tage später kam die offizielle Bestätigung und das Regensburger Fußballmärchen begann. Auf die erste Pressekonferenz waren alle Journalisten gespannt. Nach wenigen Minuten war klar, er ist der absolute Gegensatz zu Vorgänger Christian Brand: sehr ernst, fast ein wenig verschlossen, kein „lockerer Spruch“.

Beim ersten Training bin ich natürlich mit dabei. Klare Ansprache und er ist Vorbild. Ich selbst bin überpünktlich da, weil ich ihn interviewen will, am Ende geht er als letzter Akteur vom Platz. Die Spieler sind beeindruckt, einer ruft mich an, „du wir machen sogar nach Freundschaftsspielen Videoanalysen“. Der Erfolg stellt sich ein. Das Erfolgsrezept:  „Wir müssen Diener der Mannschaft sein.“ Dieses Motto sollte ich noch oft hören. Am Ende des Weges von der Regionalliga in die 2. Bundesliga ist Heiko Herrlichs letzter Satz nach der Pressekonferenz bei 1860 München: „Heute waren wir alle Diener der Mannschaft.“

Von Dezember 2015 bis Juni 2017 habe ich viel über Heiko Herrlich erfahren. Seine Tumorerkrankung hat ihn geprägt, er ist sehr gläubig, aber seinen Glauben jemandem aufzwingen? Nein! Man spürt seinen Glauben an Gott, wenn er nach Spielen nach oben blickt, als wolle er sich bedanken. Vorbildlich ist seine Höflichkeit. Er begrüßt jeden Journalisten vor der Pressekonferenz per Handschlag und weiß genau, im Gegensatz zu anderen Promis, den habe ich draußen vor der Tür schon gesehen, ihn habe ich schon begrüßt. Respekt vor Menschen zeichnet ihn aus. Auch wir Journalisten machen Fehler, ein sich darüber lustig machen, an den Pranger stellen, gibt es bei ihm nicht. Respekt zeigt er auch beim Sieg in der Allianz Arena. Er geht zu den am Boden liegenden Spielern der Löwen und tröstet sie. Während der Pressekonferenz kommt ein Teil der Jahn-Elf hereingestürmt und will ihm Bier über den Kopf gießen. Ein eiskalter Blick aus seinen Augen genügt, sie ziehen wieder ab. Es wäre respektlos dem Verlierer, seinem Trainerkollegen, gegenüber gewesen.

Heiko Herrlich hält in bayerischer Tracht eine Rede bei der Aufstiegsfeier des SSV Jahn am Haidplatz in Regensburg. Er hält das Mikrofon in einer Hand und lächelt ins Publikum.

Heiko Herrlich ist selbstkritisch, kann eigene Fehler gut analysieren und auch zugeben. Seine Mannschaftsführung ist klar. Das Team ist alles, und jeder muss sich unterordnen. Oft habe ich gemeinsam mit meinen Kollegen in den letzten Wochen den Kopf geschüttelt, als Heiko Herrlich das Wort Aufstieg partout nicht sagen wollte, doch letztendlich hat er damit den Druck von der Mannschaft genommen. Apropos Mannschaft, das war die Jahn-Elf 2016/2017 tatsächlich. Heiko Herrlich hat das geschafft, was die Musketiere vorgelebt haben: Einer für alle und alle für einen. Stark gemacht hat ihn selbst sein Glaube!  

Glaubhaft war auch sein Auftritt bei der Aufstiegsfeier des SSV Jahn Regensburg am Haidplatz. Mit klaren Worten versicherte er, wie sehr er Regensburg schätze. Niemand außer ihm und einigen Vereinsverantwortlichen wusste zu diesem Zeitpunkt, dass Herrlich gar keinen Vertrag für die 2. Liga hatte. Sein bisheriger Kontrakt hätte sich nur bei einem Verbleib in der dritten Liga verlängert. Doch der Verein zögerte mit einem neuen Vertrag, warum, wird sich nie mehr klären lassen. Heiko Herrlich selbst machte den Klub nochmal auf die ungeklärte Situation aufmerksam. Dann kam ein Angebot, dass sich wohl keiner hätte entgehen lassen. Rudi Völler, Manager vom Bundesligisten Bayer Leverkusen, meldete sich bei Heiko Herrlich. Leverkusen war auf Trainersuche und fragte nach, ob Herrlich Interesse hätte. Zu seinem früheren Verein als Bundesligatrainer zurückzukehren, ein Traum für Heiko Herrlich. Obwohl ohne Vertrag, besprach er seinen Wechsel nochmal mit Jahn Sportdirektor Christian Keller, der ihm keine Steine in den Weg legen konnte und wollte. Herrlich sagte in Leverkusen zu und musste manch Hetztirade ertragen. Das veranlasste ihn letztendlich, das Zögern des SSV Jahn Regensburg bei den Vertragsverhandlungen öffentlich bekanntzugeben. „Das ist, wie wenn man seiner Freundin sagt, ich liebe dich, ich möchte dich heiraten – und es kommt nichts zurück.“ Trotzdem hat er sich hinterfragt, ob die Entscheidung so richtig war. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, zu diesem Schluss kam Herrlich. Manche verstehen ihn, manche nicht, er glaubt, das Richtige gemacht zu haben.

 

Armin Wolf ist Sportchef von Radio Charivari Regensburg. Er begleitet seit 29 Jahren den SSV Jahn Regensburg als Reporter fürs Radio.

 

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