Portrait von Pfarrer Holger Kruschina, wie er an einem sonnigen Tag in den blauen Himmel blickt.

Was muss ich leisten,
um in den Himmel zu kommen?

 

Dein Zehn-Punkte-Programm von Pfarrer Holger Kruschina

Redaktion
Jakob Schötz

Illustrationen
Marie-Luise Appelhans

Fotos
Stefan Hanke

1

Nimm den Himmel in den Blick!

Wenn Menschen über den Himmel sprechen, geht die Blickrichtung meist nach oben. Um welchen Himmel geht es Dir eigentlich? Wir reden hier nicht vom „Fußball-Himmel“ oder so etwas. Wir meinen den Himmel, den es wirklich gibt. Die christliche Sicht des Himmels heißt für Dich: Nach Deinem Tod wirst Du bei Gott sein! Dieses Leben bei Gott ist definitiv keine traurige Angelegenheit. Auch kein billiger Trost für auf Erden zu kurz Gekommene, sondern Leben in Fülle. So vielen Dingen schenkst Du im Alltag Deine Aufmerksamkeit – da hat es der Himmel schwer und man verliert ihn leicht aus den Augen. Darum mein erster Tipp: Richte Deine Lebensaufmerksamkeit auch auf den Himmel. Du solltest ihn wenigstens genauso im Blick haben, wie alles andere, was Dir wichtig ist.

2

Sag „Servus“ zu Deinem Kinder-Glauben

Viele Menschen setzen sich mit dem Himmel nicht mehr auseinander. Warum? Weil sie immer noch eine kindliche Vorstellung davon haben. Du kennst das bestimmt: Gott hat einen Rauschebart, der Münchener im Himmel sitzt als Engel Aloisius auf einer Wolke und frohlockt. Sicher hast Du Dich mit der Zeit von solchen Bildern verabschiedet. Dummerweise haben damit viele aber den Himmel und Gott als Ganzes abgehakt. Sie fühlen sich getäuscht, weil das alles gar nicht so ist, wie sie es sich einmal vorgestellt haben. Seltsamerweise sind sie aber dadurch im Kind-Sein stecken geblieben. Niemand glaubt an einen Rauschebart-Gott. Gott ist anders: Gott ist die Liebe. Um in den Himmel zu kommen, musst Du Dich unbedingt von diesem enttäuschten Kind und schrägen Gottesvorstellungen verabschieden und auch in Glaubensdingen erwachsen werden.

Skizze einer dampfenden Teetasse, auf der Oberfläche sind die Zeiger einer Uhr zu sehen.

3

„Verschwende“ Deine Zeit

Du lebst in einer Leistungsgesellschaft. Das kann faszinierend sein. Denn: Du liebst die Herausforderung und willst das Beste aus Deinem Leben machen. Immer vorne dabei zu sein sowie beruflich und privat Bestmarken zu setzen, kann aber enorm stressig sein. Im Himmel ist das anders. Dort zählt Leistung nicht mehr. Im Himmel „ist“ man einfach! Gönn Dir schon jetzt einen Vorgeschmack. Verplane nicht Deine ganze Zeit für vermeintlich wichtige Dinge. Lass einfach mal die Seele baumeln, nimm Urlaub vom Leistungsprinzip. Es gibt so vieles, womit man die Zeit „anhalten“ und das Leben wertvoll machen kann: Vielleicht eine Wanderung in Deiner Heimat. Du wirst überrascht sein, wie viel Schönes Du dabei entdeckst. Manchmal ist es ein kurzer Besuch in einer Kirche oder Kapelle, der einem ungeahnte Momente schenkt.

4

Lass das Kind in Dir raus!

Um in den Himmel zu kommen, musst Du wieder Kind werden. Jesus selbst hat das gesagt. Das Kind, das er damit meint, ist aber ein anderes Kind als das enttäuschte, von dem in Punkt 2 die Rede war. Es ist das staunende, das offene, das träumende Kind in Dir. Ein Kind, für das alles möglich scheint, dass sich geliebt und geborgen weiß. Wieder wie dieses Kind zu sein, heißt für die allermeisten von uns, eine innere Haltung neu zu erlernen, die man mit den Jahren verlernt oder verloren hat: Ein anspruchsloseres Denken und Handeln. Einsehen, dass auch Du der Hilfe bedürftig bist und dabei immer auf Gott vertrauen kannst. Allerdings wirst Du schnell feststellen: Es ist nicht leicht, sich immer wieder neu auf diese Haltung des völligen Vertrauens einzulassen.So oft haben Menschen im Laufe des Lebens unser Vertrauen enttäuscht. So viele Träume sind geplatzt, Geborgenheit ist zerbrochen. Manchmal braucht man Hilfe dabei, (Gott-)Vertrauen wieder zu lernen. Wenn es aber gelingt, erlebt man wahre Wunder.

Skizze einer Kirche, die gleichzeitig Träger hat und wie ein Koffer getragen werden kann.

5

Mach einen Kurztrip in den Himmel

Reisen ist für die meisten viel schöner in Gemeinschaft. Das gilt auch für die Reise in den Himmel. Auch für Dich finden sich Menschen, die mit Dir gemeinsam diese Reise unternehmen. Sonntags in die Kirche gehen, durch eine gelungene Predigt einen Impuls für die Woche bekommen? Danach gemeinsam zum Brunchen gehen und alles, was man gerade erlebt hat, Revue passieren lassen? Probiere es mal aus. Du wirst sehen: Es gibt viele Möglichkeiten, den Sonntag zu einem Himmels-Tag zu machen. Wenn Dir Dein Sitznachbar in der Kirche beim Friedensgruß „Friede sei mit Dir!“ wünscht und Du das von Herzen erwiderst, wirst Du spüren, wie gut das tut. Gemeinsam unterwegs sein heißt auch: Diese Gemeinschaft endet nicht am Sonntag und nicht an der Kirchentür. Sie bewährt sich im Alltag.

6

Sprich darüber

Ganz wesentlich sind deshalb „Himmelsgeschichten“, die wir uns gegenseitig erzählen. Konkret sind das Momente, in denen so etwas wie „Himmelsgewissheit“ aufblitzt. Erlebnisse, bei denen Du gespürt hast, dass da etwas ist, was über das rein Menschliche hinausgeht; was Dir persönlich oder Menschen in Deiner Umgebung geholfen hat oder etwas, das Dich tief beeindruckt hat, was Dich staunend oder auch fragend zurücklässt. Solche Geschichten sind Weg-Geschichten hin zum Himmel. Es ist wichtig, darüber zu sprechen, sich mit anderen darüber auszutauschen. Auch deshalb wird in der Kirche immer aus der Bibel gelesen. In der Bibel stehen Erfahrungsgeschichten, die Dich dem Himmel näher bringen. Darum lohnt es sich, auch daheim in der Bibel zu lesen.

7

Sammle Bonus-Meilen

Nach christlichem Verständnis vom Himmel gibt es eine wesentliche Verbindung zwischen Himmel und Heute, zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Ewigkeit und Jetzt. Jesus sprach vom „Anbruch des Reiches Gottes“ und verkündete, Gottes Reich sei bereits „mitten unter uns“. Das klingt für moderne Ohren gewöhnungsbedürftig, meint aber nichts anderes als eine „Welt der Gerechtigkeit und des Friedens“. Klar ist: Auf unserer Erde funktioniert nicht alles reibungslos. Vieles liegt in dieser Welt im Argen. Man muss sich nur die täglichen Nachrichten ansehen. Trotzdem, ja gerade deswegen kannst Du persönlich dazu beitragen, dass das nicht so bleibt: Tritt ein für Gerechtigkeit und Frieden, zeig Dich Notleidenden gegenüber solidarisch, trag dazu bei, dass unser Planet nicht zerstört wird und lebe die Nächstenliebe – auch und gerade dann, wenn es schwer fällt.

Skizze einer Lupe, die zum Teil über einem Herz liegt.

8

Lerne lieben

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ heißt es in der Bibel. Und damit geht es eigentlich los: Wenn Du Dich selbst nicht akzeptieren kannst, Dich minderwertig und ungeliebt fühlst, wirst Du Dich schwer tun, andere Menschen zu lieben. Akzeptiere also Deine Makel und Unzulänglichkeiten. Nicht jeder kann der nächste Bill Gates oder Heidi Klums „Next Topmodel“ werden. Nobody’s perfect! Und das ist gut so. Manchmal ist es gerade das Unperfekte, das einen in den Augen anderer besonders macht. Sich selber annehmen und das Beste daraus machen, ist ein Lebensmotto, das einem die ganze Last des Perfektionszwangs von den Schultern nimmt. So lebt sich’s leichter, so liebt man anders.

9

Schalte Dein Navi ein

Auf dem Weg zum Himmel stößt Du leider immer wieder auf Irrwege und Sackgassen, die Dich von Deinem Ziel wegführen. Deshalb gilt es, einen realistischen Blick auf sich selbst zu richten: „Lass ich mich leicht vom Weg abbringen? Irre ich gedankenlos durch die Gegend? Missachte ich Stoppschilder? Behindere ich andere? Reicht mein innerer Treibstoff oder sollte ich mal wieder auftanken?“ Wenn Du in den Himmel kommen willst, kommen bestimmte Touren nicht in Frage. Sackgassen führen nie ans Ziel. Dann besser umdenken und umlenken. Es ist nie zu spät für den richtigen Weg. Umkehren geht immer! Realistisch einzuschätzen, wo und wie Du gerade unterwegs bist, ist enorm wichtig. Sonst rast Du unter Umständen in die falsche Richtung. Also: Schalt nie Dein inneres Navigationsgerät aus! Wie – Du hast keines? Sicher hast Du eines: Man nennt es Gewissen.

10

Werde wesentlich

Am Ende zeigt sich, was wirklich zählt: Die Fragen, die Dich noch auf dem Sterbebett beschäftigen, sind die entscheidenden. Alles andere ist bestenfalls zweitrangig. Wer weiß, es geht dem Ende entgegen, spürt genau, was wesentlich ist und was nicht. Karriere und Konto sind da auf einmal genauso nebensächlich wie das schicke Cabrio in der begrünten Doppelgarage. Dabei hat man in all das so viel Zeit, Energie und Arbeit gesteckt. Da treiben einen andere Fragen um: Wie bin ich mit den Menschen und Beziehungen in meinem Leben umgegangen? Habe ich genug geliebt? Meine Frau. Meinen Mann. Meine Kinder. Die Menschen in meiner Umgebung. Die, die in Not waren und Hilfe gebraucht hätten? Gott? Und was, wenn auf der anderen Seite tatsächlich dieser Gott auf mich wartet? Klar ist: Du kannst Dich ihm jederzeit ganz anvertrauen. Denn es ist Gott, der Dich unendlich liebt.

Pfarrer Holger Kruschina lehnt an einer Kirchenbank und blickt in die Ferne.
Pfarrer Holger Kruschina sitzt an einem Steg und liest, während seine Füße im Wasser baumeln.
Pfarrer Holger läuft an einem sonnigen Tag mit ausgebreiteten Armen einen schmalen Pfad inmitten von grünem Gras entlang.

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