Fünf Freunde in der Natur.

BESTE FREUNDE FÜR IMMER...                         

                           ...DANN KAMEN DIE KINDER

geschätzte Lesedauer: 10 Minuten

Autor 

Joachim Sina

Fotos 

Bernhard Spoettel

Redaktionelle Mitarbeit 

Flavia Tabora

„BFF“ ist eine bei jungen Menschen geläufige Abkürzung, die „Best friends forever“ bedeutet und im Cambridge Dictionary als Nomen geführt wird. Die beste Freundin, der beste Freund – und zwar für immer. Das ist der oder die BFF. Freundschaft im Superlativ, Freundschaft mit Ewigkeitsanspruch, kann das gutgehen? Und was wird daraus, wenn sich das Leben verändert? Indem aus dem BFF eine Mama oder ein Papa wird, also die denkbar größte Veränderung im Leben überhaupt eintritt? Was wird aus der Superfreundschaft, wenn man Kinder kriegt und was bedeutet Freundschaft für Eltern? Darüber sprachen wir mit jungen Menschen aus Regensburg und Umgebung, die das erlebt haben. 

Jasmin Kraus, eine blonde junge Frau aus Cham mit zwei kleinen Töchtern und einem strahlenden Lächeln, erinnert sich an die Zeit mit der besten Freundin: „Bevor meine Kinder kamen, haben wir uns täglich gesehen, gehört oder aneinander gedacht. Wir waren wie Schwestern von verschiedenen Eltern.“ Freundschaft vergleicht die verheiratete Mutter mit Beziehung. „Man steht hintereinander, weint, lacht und erlebt zusammen. Man vertraut sich alles an und bekommt gutgemeinte, liebevolle Kritik.“ 

Wie Schwestern von verschiedenen Eltern 

„Lebenswichtig“ war der Austausch mit ihrer besten Freundin für Jasmin, und sie bekräftigt dies mit einem Vergleich mit dem Beten. Als sie dann – nach ihrer Freundin – schwanger war, wurde das Band sogar zunächst noch enger: „Erst dann konnte ich sie noch besser verstehen, da sich auch mein Blickwinkel geändert hatte.“ Und dann kam der Nachwuchs. Zeit wurde zum knappen Gut, das Jasmin Kraus nach neuen Prioritäten verteilte. Mit den wachsenden Bedürfnissen der Kinder nahmen die Häufigkeit der Treffen mit der „BFF“ und die Intensität des Austauschs immer weiter ab. „Ich hätte es niemals gedacht, aber die Freundschaften haben sich mit Beginn meiner Schwangerschaft komplett verändert.“ Auch die Freundschaft mit der besten aller Freundinnen wandelte sich, aber eines blieb: „Grundsätzlich bleibt sie für immer die eine Freundin, dich ich am längsten kenne. Wir haben so viel zusammen erlebt, durchgemacht und auch gestritten. Wenn wir uns treffen, ist es immer von Herzen und voller Liebe. Irgendwie ist sie noch immer meine ,Schwester’.“ 

 

Beste Freundin, Kumpel und Ehemann

Treffen mit anderen Müttern auf dem Spielplatz können die beste Freundin sicher nicht ersetzen. Ansonsten gibt es im Leben von Jasmin „natürlich viele neue Freundschaften. Aber keine so intensiv engen mehr, wie sie möglich waren, als man noch alleinstehend war.“ 

Und in gewisser Weise trete auch der Ehepartner an die Stelle des BFF, glaubt Jasmin: „Man hat ja seinen Partner. Der ist für mich meine beste Freundin, Kumpel und Ehemann.“

Die Liebe einer Freundschaft

Alisha Sojkas Ehemann ist Philipp; die beiden haben ein Kleinkind und ein Baby zusammen, leben in Regensburg, aber wollen irgendwann aufs Land ziehen. Sie nehmen als Paar an unserem Gespräch teil. „Fragezeichen im Kopf“ hat Philipp beim Begriff Freundschaft: „Da gibt es alle Abstufungen von einfachen Freunden, guten Freunden, besten, ehemaligen, alten Freunden oder neuen Freunden und auch kurze Bekanntschaften fühlen sich manchmal an wie Freundschaften.“

Beim besten Freund hält Philipp vor allem eins für wichtig: „Die Fähigkeit und den Mut, einen Freund von ganzem Herzen zu lieben. Ich habe das Gefühl, die Menschen sprechen nicht gerne von Liebe. Es scheint, als sei Liebe nur für den Lebenspartner oder die Eltern reserviert. Aber ich glaube, das stimmt nicht. Es gibt unzählige Arten zu lieben. Darunter auch die Liebe einer Freundschaft.“ Alisha, die junge Frau mit den schönen dunklen Löckchen, führt den Faden fort: „All diese Arten von Freundschaften bergen ihre Qualitäten, solange man nicht von jeder Freundschaft das Gleiche erwartet. Je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, dass es für mich nicht unbedingt die eine beste Freundin oder den einen besten Freund gibt, sondern Menschen, die mich im Leben begleiten und die ich wiederum begleiten darf. Das Wichtige dabei ist jedoch, dass einander etwas verbindet – eine Geschichte – und dass man sich füreinander ernsthaft und aufrichtig interessiert.“

Manche Freunde steigen aus dem Zug aus, andere ein

Auch diese beiden haben erlebt, dass alte Freundschaften sich mit der neuen Elternrolle verändert haben: „Die Interessen formten sich unterschiedlich aus, sodass freundschaftlicher Kontakt immer weniger wurde“, berichtet Philipp und seine Frau ergänzt: „Ich würde sagen, das Leben passiert einfach. Währenddessen steigen manche Freunde aus dem Zug aus und andere ein. Und nur mit ganz wenigen sind die Gemeinsamkeiten so stark, dass sie bis zum Schluss bleiben.“

 

Mensch und nicht nur Mama

Aber es gebe auch neue Freundschaften, berichtet Alisha, in denen die Elternrolle ein verbindendes Element darstelle – aber nicht unbedingt das Einzige: „Ich habe viele tolle Mamas kennengelernt. Frauen, die tagtäglich Starkes leisten, mit denen man die schlimmsten schlaflosen Nächte diskutieren kann und die einen oftmals besser verstehen, als alle anderen. Sicherlich gibt es einige, mit denen man sich wegen der Kinder versteht. Aber dann gibt es noch die Mütter, mit denen man sich auch als Mensch verbunden fühlt. Ich möchte verstanden und akzeptiert, aber auch inspiriert werden. Durch Gespräche und Taten. Ich möchte mich nicht nur über Kinder unterhalten, sondern auch über andere wichtige Themen. Ich bin nicht nur eine Mama und das soll sich auch in der Freundschaft widerspiegeln.“

Einen BFF wünschen sich beide nicht zurück. Alisha würde diese Kategorie „damals wie heute nicht aufmachen“. Ihrem Mann fehlt manchmal die Leichtigkeit der damaligen Freundschaften, „aber obwohl sich mein Leben stark verändert hat, bin ich total erfüllt.“ Mit einem Zwinkern blickt Alisha zurück: „Wer erinnert sich nicht gerne zurück an die gute, alte Zeit, die man mit den Freunden verbracht hat? Auf diesem Wege viele Grüße an alle Freunde, die auf dem Weg irgendwo aus dem Zug ausgestiegen sind.“

Beata Jakab-Kiss aus Bad Abbach hat mit ihrem Mann ebenfalls zwei kleine Kinder. Sportlich und aufgeräumt wirkt die dunkelblonde junge Frau mit Pferdeschwanz und auch sie hat eine Idee, was die beste Freundin ausmacht: „Auch wenn wir uns lange nicht gesehen haben, können wir unser letztes Gespräch so weiterführen, wie wir aufgehört haben.“

Die Erwartungen sollten ähnlich sein

Der unterschwellige Vorwurf, dass man weniger Zeit hat, sich länger nicht gemeldet hat – solche Erfahrungen belasten eine Freundschaft, wenn „plötzlich“ Kinder da sind. Beata hat hier eine klare Haltung: „Wir sollten uns einander über unser Leben informieren. Eine sollte die andere nicht kontrollieren. Ehrlich und offen können wir über alles reden. Die gegenseitigen Erwartungen sollten ähnlich sein. Es ist sehr wichtig, dass man auf die Gefühle anderer eingehen kann, wie in einer Beziehung.“

 

Verantwortung für unsere Freundschaft

Beatas „beste Freundschaft“ war 20 Jahre lang intensiv – „ bis wir mit der Uni fertig waren.“ Leben und Freundschaft änderten sich, auch schon ohne Kinder. Beata glaubt, dass sich „die Persönlichkeit einer jungen Erwachsenen mit der Zeit auch viel verändert. Mit den Kindern ist es leider noch schwieriger geworden.“ Für Beata hat sich das Muttersein auch als gemeinsamer Nenner für neue Freundschaften entpuppt:
„Während meiner Schwangerschaften habe ich auch ein paar gute Freundinnen gefunden. Es ist einfach gut, die schönen, aber auch die anstrengenden Momente miteinander teilen zu können.“ Wehmut über die Zeit der besten Freundin kennt auch sie, findet aber: „Man sollte loslassen können, wenn die Interessen nicht mehr ähnlich sind. In den neuen Freundschaften spüren wir die Verantwortung für unsere Freundschaft und wir tun auch mehr dafür, dass es so schön bleibt.“

Marina Subires wohnt seit 2012 mit ihrem Mann in Deutschland. Gemeinsam haben sie ein kleines Mädchen und einen kleinen Jungen, 2 Jahre und 7 Monate jung. Das Paar kommt aus Spanien; durch den Umzug nach Deutschland ist der Kontakt zu alten Freunden nicht leichter geworden. Trotzdem hat sie positive Erfahrungen gemacht: „Ich glaube, dass sich Freundschaft genau dann zeigt, wenn Zeit und Entfernung keine Rolle spielen. Ich glaube sogar, dass echte Freundschaft mit der Zeit stärker wird. Im Laufe der Jahre sieht man, wer einen schätzt und wahrhaftig liebt.“

Entfernung als Chance und Zeit als Geschenk

Da die alten Freunde weit weg, aber trotzdem wichtig sind, spielen im Alltag des jungen Paares naturgemäß neuere Freundschaften eine große Rolle. Marina schaut hier besonders auf die Qualität der Zeit, die man gemeinsam mit Freunden verbringt: „Viel mehr als ein materielles Geschenk schätze ich eine spontane Einladung oder einen Besuch von jemandem, der sich Zeit nimmt, um sie mit mir zu verbringen. Früher hatte ich auch Freunde, mit denen man immer was zu reden hatte, ohne ein spezifisches Thema zu haben. Heute merke ich, dass ich meine wenige Zeit für tiefsinnigere Gespräche nutzen will. Ich will mich durch meine Beziehungen weiterentwickeln. Ich will dazulernen, geistig wachsen. Damit meine Kinder etwas davon haben. Ich schätze es daher sehr, wenn sich meine Freunde Zeit nehmen und sich bemühen, den Kontakt zu halten.“

 

Verständnis als Freundschaftsbeleg oder: Die Kinder mitnehmen in die Freundschaft

Die Kinder spielen eine wichtige Rolle im Leben des Paares mit ihren Freunden: „Natürlich gibt es Menschen um uns, die keine Kinder haben und manchmal nicht verstehen, dass wir nicht mehr denselben Rhythmus haben können. Die meisten meiner Freunde haben es aber verstanden. Das verstehe ich als Freundschaftsbeleg. Umso mehr schätze ich die Menschen, die sich bemühen, unsere Freundschaft zu pflegen. Die meine Kinder mitnehmen in unsere Freundschaft.“

 

Der Ehepartner – der wahre BFF?

Wenn Kinder in das Leben von jungen Erwachsenen treten, ändern sich nicht nur die Freundschaften, sondern auch die Beziehung der Partner zueinander erfährt eine oft tiefgreifende Entwicklung. Die neue Rolle als Eltern, Arbeitsalltag, Haushalt, Verantwortung und das Wohl und Wehe der lieben Kleinen erfordern die volle Aufmerksamkeit beider; Zeit füreinander, die Leidenschaft treten vorerst in den Hintergrund. Marina und ihr Mann erleben ihre Ehe auch als eine tiefe Freundschaft, die große Tragfähigkeit hat – und an dieser Stelle rückt Marina das „forever“ in unserem schönen Gespräch nochmal in ein anderes Licht:
„Ich denke schon, dass es einen besten Freund für immer geben kann. Aber es ist sehr schwer, jemanden zu finden, der dich durch alle Lebensphasen begleitet und für alle Veränderungen immer gleich viel Verständnis aufbringen kann. Mein bester Freund ist mein Mann. Wir haben uns füreinander entschieden, weil wir genau das können und wollen.“

 

 

Freundschaft und Ehe

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