Frieden, den die Welt nicht geben kann

Bernadette Lang über eine geheimnisvolle Gegenwart, die alles Verstehen übersteigt.
Bild von Frau vor dem Fernseher für Artikel von Bernadette Lang aus der Grandios Zeitschrift Frieden

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„Der Friede sei mit euch“

Es kommt völlig unvermittelt.

Gerade hetzte ich noch durch die Stadt, während ich nebenbei versuchte, einige meiner WhatsApp-Nachrichten zu beantworten. Meine Gedanken sind noch bei den Herausforderungen meiner Freunde, bei Terminanfragen, Planungen und Problemen jener, mit denen ich gerade noch kommuniziert hatte. Und bei den Schlagzeilen, die ich in den Social-Media-Threads gelesen habe. Dann aber: Stille. Und Frieden. Unverhofft und übernatürlich. Es beginnt mich hineinzuziehen in eine andere Welt. Ich betrete sie – oder besser noch: Sie betritt mich. Eine geheimnisvolle Gegenwart durchzieht mein Herz – mich erinnernd an einen Ort, der mich sehnsuchtsvoll und existentiell in die Zukunft und Vergangenheit gleichermaßen taucht.

Heutzutage Nachrichten zu schauen, ist anstrengend. Sie leben von blutrünstigen Geschichten, egal ob im internationalen Weltgeschehen, der Landespolitik oder den sozialdramatischen Gefügen, in denen die Welt aus den Fugen gerät. Wenn ich die Zeitung lese, merke ich, wie desolat die Welt ist. Sie wankt. Die unerschütterlichen Fundamente unserer Kultur sind schon lange rissig geworden. Durch sie sickert das Blut von Rufmord und Verleumdung, von Hass, Streit, Eifersucht und Zwietracht. Einiges davon kann man in der Zeitung lesen. Oder in News Threads auf Social Media. Vieles liest und sieht man nicht. Es passiert trotzdem. Hinter den Mauern und Wohnbauten. Liebe, die sich genommen wird, die eingefordert wird, manchmal sogar eingetrieben wird, nur, um sich einen Augenblick darin zu ergötzen. Stolz, der fordert. Eifersucht, die Leben nimmt. Und Luft zum Atmen. Liebe, die nur einem dient: dem eigenen Egoismus – wohl aber gut getarnt. Sie bleibt leer und verkehrt sich zu schnell ins Gegenteil. 

Aber die Welt hat die Definition von Liebe schon längst verdreht. „Hauptsache, meine Bedürfnisse werden befriedigt.“ Ist das Liebe? Liebe ist für viele in unserer kalt gewordenen Welt schon ein Luxusgut. Zumindest, wenn man das Original und nicht den billigen Abklatsch davon meint. Zufriedenheit würde manchen schon reichen. Aber auch das ist ein seltenes Gut geworden. Wir suchen, aber was wir finden, reicht nicht aus.

Vielleicht ist Frieden schon zu viel gefordert

Alles in unserer Welt ist zu wenig, um uns zufrieden zu stellen. Der Friede drängt sich nicht auf. Instagram, TikTok und Co. erinnern uns konsequent daran, dass wir zu wenig haben und zu wenig sind. Es hinterlässt uns vielfach leerer, nachdem wir es konsumiert haben. Vielleicht ist Frieden schon zu viel gefordert. Zufriedenheit würde so manchem schon reichen. Damit würden wir uns ja schon zufriedengeben, oder nicht? Reicht aber eben doch nicht, auch die Zufriedenheit zerrinnt uns unter den Fingern. Warum? Weil Unzufriedenheit viel einfacher geht. Sie drängt sich förmlich dazwischen. Vergleichen ist zu einem Nationalsport geworden. Die Damen sind noch viel besser darin. Aber sie spielen nicht in Mannschaften, man spielt allein. Jeder gegen jeden. Gewinner gibt es keinen, man kann nur verlieren. Je mehr man sich vergleicht, desto mehr verliert man. Wir tun es trotzdem, jagen dem Frieden nach – und merken dabei gar nicht, dass wir in die falsche Richtung laufen.

Der Friede, der alles Verstehen übersteigt, kommt unverhofft

Was sucht unser Herz? Es ist unruhig, bis es verankert wird in jenem Hafen, für den es gemacht wurde. Wir suchen einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Und es ist nicht einfach, ihn in dieser Welt zu finden. Ganz ehrlich: es ist sogar unmöglich! Das Problem unserer Gesellschaft ist aber, dass wir ihn trotzdem in der Welt suchen. „Vielleicht kommt er, wenn ich mehr besitze“, sagt sich so einer.

„Vielleicht kommt er, wenn ich mehr leiste“, denkt sich ein anderer. Er kommt nicht in den Forderungen der Maßlosigkeit. Der Friede, der alles Verstehen übersteigt, kommt unverhofft. Er legt sich wie ein weißer Schleier auf unser Herz, wenn wir ihm die Stille unseres Wesens zur Verfügung stellen.

Diese Erfahrung mache ich, wenn es heißt: „Der Friede sei mit euch.“ Ich befinde mich in einer Kirche. Ich weiß, es ist eine Erfahrung, die für viele unverständlich erscheinen mag. Es ist ein Friede, den die Welt vermisst, dem sie unermüdlich nachjagt und verspricht, aber sie hat ihn nicht. Die Welt kann diesen Frieden, der unsere Herzen endgültig „befriedigt“, nicht geben. Und auch das ist ein Faktum. Ein hartes Faktum, den der Großteil der Erdenbewohner in ihrem Leben mit dem Gegenteil zu beweisen versucht. Auch wenn sie es ahnen – oder mehr noch – existentiell eigentlich wissen. Die Verbindung zwischen Kopf und Herz ist ein weiter Weg.

Du musst nicht perfekt sein. Ich bin es – für dich

Während der Priester mit der Heiligen Messe fortfährt, beginnen sich meine Gedanken in der Gegenwart Gottes zu versenken. Ich refl ektiere meine eigene Zerbrochenheit und bringe Gott meine Scherben. Ich muss nicht perfekt sein. Auch wenn ich mir das in den Niederungen meines Alltags immer wieder zu erklären versuche. Aber das hat dann nur eines zur Folge: nämlich, mich mehr zu disqualifi zieren als mir lieb ist. Wie gut ist es nun, die Stimme Gottes zu hören, der mir sagt: Du musst nicht perfekt sein. Ich bin es – für dich.

Meine Erlösungsbedürftigkeit anzuerkennen ist ein erster Schritt, der mich atmen lässt. Ich habe gefehlt in Gedanken, Worten und Werken. Die Liebe vergessen, mich selbst als Nabel der Welt gesehen. Ich muss nicht mehr sein als ich bin. Lasten fallen und perlen wie Regentropfen von meiner Seele ab. Ein übernatürlicher Waschgang. Ich atme auf. Mein Blick hebt sich.

Bild für Artikel von Bernadette Lang aus der Grandios Zeitschrift Frieden

Weiter sickert übernatürliches Licht in meine Seele. Es verdichtet sich und steigert sich hin zu einem Höhepunkt, der an Unbegreifl ichkeit nicht zu übertreffen ist: Es liefert sich mir die menschgewordene Liebe selbst aus. Der Fürst des Friedens hat mit seinem eigenen Blut den Hass und die Zwietracht durchkreuzt. Und nun streckt er mir seine Arme entgegen, während Friede unentwegt aus seinem Herzen strömt. Schuldlos wie ein Lamm hängt er über mir, während er sichausschüttet. Frieden über Frieden, übernatürlicher Trost, Freude, unerklärliches Licht. Gott kommt zu mir. Nicht nur gedanklich, nein, viel skandalöser: real, leiblich, mit seinem Fleisch und seinem Blut, mit seinem ganzen göttlichen Wesen. Er hat mit seinem eigenen Leib die Feindschaft getötet. Er ist unser Friede geworden.

Gott des Universums, er, der Mensch geworden ist, um uns wieder mit ihm eins zu machen, dem Urheber und Autor allen Friedens.

Dieser Friede ist teuer erkauft

Es ist kein billiger Friede. Nein, dieser Friede ist teuer erkauft. Mit dem Blut des Gottmenschen. Er sieht all das Leid und bezahlt dafür. Mit seinem Leben. Aber Gott kann nicht sterben. Sein Leben durchfl utet auch die fi nstersten Ecken des Universums, die erstarrten kalten Herzen – auch unsere eigenen. Das Licht seiner Auferstehung bringt einen Frieden, der alles Verstehen übersteigt.

„Der Friede sei mit euch.“ Wieder ruft der Priester der versammelten Menge diese Worte zu. Nun aber, da die Anwesenden Zeugen geworden sind eines Geschehens, das historisch auf Golgota unbestreitbar geschehen ist, aber bis in die Zukunft eschatologisch hineinreicht, ist es an ihnen, diesen Frieden weiterzugeben. Er soll nicht nur auf der vertikalen Ebene gegeben werden, von Gott zum Menschen, sondern auch von den Menschen zu ihresgleichen.

So beginnen sie, diejenigen, die teilhaben am übernatürlichen Geheimnis, diesen Frieden zu teilen. Wie ein Brot, das zerbrochen wird, wird der Friede ausgeteilt – allerdings mit dem Phänomen, dass er mehr wird, je mehr er geteilt wird. Der Duft dieses übernatürlichen Friedens verbreitet sich. Augen treffen Augen. Eine Hand greift nach der anderen. Und dort und da fällt zwischen den Ehepartnern ein Kuss. So wie Gott gerade das Herz jedes einzelnen geküsst hat. Ein wunderschönes Intermezzo Gottes mit den Menschen.

Auf ungewöhnliche Weise werde ich hier gesättigt

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Diese Worte aus der Bibel (Joh 14,27) werden hier real. Plastisch. Sie betreten den Raum und bleiben. Die Augen meines Herzens bekommen eine neue Perspektive. Sie müssen sich nicht mehr beunruhigen von all den scharfen Pfeilen, Worten, Gedankenscherben, die von außen auf mein Inneres hereinprasseln. Sein Friede ist von einer anderen Kategorie. Er überwältigt mich. Maßlos. Das ist es, wonach meine Seele schreit. Auf ungewöhnliche Weise werde ich hier gesättigt. So, dass ich wieder hinaustreten kann in eine Welt, die den Frieden so sehr vermisst.

„Geht! Ihr seid sein Friede“ – Ihr seid gesendet. Das meint das letzte Wort, das der Priester den Menschen zuruft. Wir – die Versammelten – sind nicht für uns allein gekommen. Das, was wir empfangen haben, ist nicht für uns allein. Wir leben in einer interdependenten Gemeinschaft, das heißt, wir sind aufeinander angewiesen. Der Ruf zum Frieden betrifft uns alle. Würden wir die ganze Welt für uns allein gewinnen, selbst dann reichte es für die Sättigung unserer Seele nicht aus. Nun aber, wir haben eine Sendung: sein übernatürlicher Friede zu sein, jetzt, da wir getränkt wurden von seiner Gegenwart. Mit diesem Auftrag strömen wir hinaus, benetzt mit dem übernatürlichen Geschenk, das uns so unverhofft zuteilgeworden ist. Das zu teilen, ist nun auch unsere Aufgabe. Sein Friede zu sein. Den Herzschlag Gottes in die Welt hinauszutragen. Einen Frieden, den die Welt nicht geben kann.

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