Hätten wir mal

auf Hollywood gehört!

Redaktion
Aljoscha Grabowski

Künstliche Intelligenz im Film

Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen mit Hochdruck am Thema Künstliche Intelligenz. Doch was passiert, wenn die Maschine ihrem Schöpfer plötzlich in sämtlichen Belangen überlegen ist? Werden wir ausgelöscht, versklavt oder dürfen wir uns auf ein Zeitalter ohne Kriege, Krankheiten und Arbeit freuen? Auf jeden Fall darf niemand überrascht sein, wenn es dieses Mal nicht gut ausgehen sollte für die Menschheit – Hollywood hat uns in seinen Filmen schließlich oft genug gewarnt!

Atomkriege, Seuchen, Killermaschinen, das Science-Fiction-Genre ist nicht unbedingt bekannt für eine sonderlich rosige Sicht auf die Zukunft der Menschheit. Was nicht weiter verwundert, schließlich hat der Mensch mit seiner Neigung zum Größenwahn und zur Selbstzerstörung in den letzten paar Tausend Jahren selten Anlass gegeben, ernsthaft an ein Happy End zu glauben.

Dabei liefert kaum ein Forschungszweig gleichermaßen viel Stoff für Dystopien und Utopien wie das Thema Künstliche Intelligenz. Viel größer könnte die Fallhöhe zwischen unglaublichen Chancen und unabsehbaren Gefahren kaum sein. Philosophen können hier wunderbar darüber sinnieren, was den Menschen zum Menschen macht, während die Transhumanisten schon die Möglichkeit wittern, die nächste Stufe der Evolution zu erklimmen. Endlich kann sich der Mensch im wahrsten Sinne des Wortes selbst übertreffen.

Kein Wunder also, dass auch Hollywoods Filmmacher das Thema lieben und in zahlreichen Werken verarbeitet haben, die heute zu den absoluten Klassikern der Filmgeschichte zählen: In „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) ist es der Bordcomputer HAL 9000, der die Besatzung seiner Raumfähre auszudünnen beginnt, weil er sie als Gefahr für seine Mission wahrnimmt. In „Terminator“ (1984) will das Verteidigungssystem Skynet der Menschheit an den Kragen, weil es in ihr eine Bedrohung für die eigene Existenz sieht. Bei „Blade Runner“ (1982) sind es menschenähnliche Roboter, so genannte Replikanten, die plötzlich verrücktspielen und ein Bewusstsein entwickeln

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe solche Filme bisher eher als Unterhaltung gesehen. Aber je mehr neue Filme dazukommen und je schneller sich unsere Erde zu drehen scheint, desto häufiger läuft es mir im Kinosessel oder vor dem TV-Bildschirm eiskalt den Rücken herunter. Während die Szenarien aus „Terminator“, „Matrix“ und Co. in meiner Kindheit und Jugend noch „echte Science-Fiction“ waren und meilenweit entfernt schienen von meiner Realität, bieten Film und Fernsehen heute Zukunftsvisionen, die direkt in unsere Lebenswelt eingebettet sind. Intelligente Assistenzsysteme, menschenähnliche Roboter, autonom fahrende Autos und Züge- alles Techniken, die in Vorstufen bereits existieren und teilweise kurz vor ihrem Durchbruch stehen. Die Luft riecht und schmeckt nach Zukunft.

Schauen Sie sich übrigens bei Gelegenheit mal die Netflix-Serie „Black Mirror“ an, die sich mit den Gefahren und Auswirkungen des technologischen Fortschritts auf unsere heutige Gesellschaft beschäftigt, und verraten Sie mir dann bitte, ob Sie dabei nicht auch ein ganz flaues Gefühl im Magen bekommen.

Momentan sind wir noch weit davon entfernt, echte künstliche Intelligenz zu erschaffen. Eine KI müsste zum Beispiel die Fähigkeit besitzen, Schlussfolgerungen zu ziehen oder erworbenes Wissen auf neue Situationen anwenden zu können. Von einem eigenen Bewusstsein oder so etwas wie Emotionen wollen wir noch gar nicht reden. Das ist noch viel weiter weg – wenn es überhaupt möglich ist. Auf jeden Fall werden diese Systeme mit einer Rechenpower ausgestattet sein, mit der sie Aufgaben in Sekundenbruchteilen lösen kann, für die wir Menschen Jahre bräucht

In der Öffentlichkeit ist das Thema derzeit jedenfalls so präsent wie schon lange nicht mehr. Silicon Valley-Größen wie Marc Zuckerberg und Elon Musk streiten sich über die sozialen Kanäle und mit harten Bandagen über Chancen und Gefahren einer Superintelligenz für die Menschheit. Serien wie „Westworld“ oder Filme wie „Ex Machina“ greifen das Thema sehr kritisch auf und renommierte Nachrichtenseiten spekulieren ernsthaft darüber, wie sich unser Sexleben mit der Entwicklung von menschenähnlichen Robotern verändern wird.

Die führenden Player der digitalen Welt wie Google, Microsoft und Facebook geben im Wettrennen um die Entwicklung künstlicher Intelligenz Milliarden aus. Das sind Peanuts im Vergleich zur Summe, die den Gewinnern winkt. Die Einsatzmöglichkeiten in Medizin, Forschung, Wirtschaft, etc. wären mannigfaltig und wir dürften uns auf die wahrscheinlich umfassendste gesellschaftliche und wirtschaftliche Revolution der Menschheitsgeschichte einstellen. Wir müssten keine gefährlichen oder körperlich schweren Arbeiten mehr ausüben geschweige denn hungern oder an Krankheiten sterben. Suchmaschinen würden passende Antworten liefern und Computer endlich verlässliche Wettervorhersagen treffen. Eine schöne neue Welt wäre das.

Wenn da nicht gleichzeitig auch jede Menge Gefahren lauern würden. Jobs, die vorher von Menschen ausgeübt wurden, werden nun an Maschinen vergeben, die die Arbeit günstiger, besser und schneller erledigen. Wir hätten also künftig mehr Zeit, uns den schönen Dingen im Leben wie der Kunst oder dem Sport zu widmen. Oder, was leider wahrscheinlicher ist: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird noch größer, die persönliche Freiheit dank rundum-Überwachung und moderner Gesichtserkennung auf ein Minimum reduziert.

Die Nachfahren von „Siri“ und „Alexa“ werden uns nervige Entscheidungen abnehmen wie zum Beispiel, was wir essen, wann wir ins Bett gehen und welche Partei wir wählen sollen. Unser Leben wird bis ins Detail optimiert und wir Schritt für Schritt entmündigt. Aber wahrscheinlich bekommen wir das gar nicht mehr mit, weil sich die neugewonnenen Möglichkeiten so bequem anfühlen, dass wir schon völlig benebelt sind, wenn es zu spät ist. Ich muss an das Raumschiff „Axiom“ aus dem Pixar-Film „Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf“ denken, in dem die letzten Menschen als fettleibige, degenerierte Kreaturen unter medialer Dauerberieselung durchs Weltall fliegen. Wären Killerroboter wirklich so viel schlimmer?

Wenn ich mir anschaue, mit welch atemberaubender Geschwindigkeit der technologische Fortschritt allein in den letzten 100 Jahren vorangeeilt ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir noch allzu lange auf so etwas wie echte künstliche Intelligenz warten müssen. Wahrscheinlich wird sie sich sowieso eher in einem schleichenden Prozess in unserem Leben und unserem Alltag einnisten. Und dann sollten wir als Einzelne und als Gesellschaft uns klar darüber sein, wie wir mit dem Thema umgehen wollen.

Besinnen wir uns auf das, was uns (noch) vom Roboter unterscheidet: Moral und Empathie, Liebe und Verständnis. Das sind unsere Stärken in einer Welt, die immer mehr nach Perfektion und Effizienz strebt. Außerdem dürfen wir uns als mündige und aufgeklärte Bürger nicht vom Fortschritt mitreißen lassen, sondern müssen bewusst und aktiv handeln. Wir haben in Filmen genug Beispiele gesehen, welch schlechtes Ende das nehmen kann. Es ist unsere Aufgabe, es nicht so weit kommen zu lassen.

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