Bestatterin, Kindheitspädagoge, Ordensschwestern, Metzger

 

 

VON BERUF                    

                               FREUND

geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Fotograf und Autor

Jakob Schötz

 

PATRICK SCHU

Patrick Schu auf seinem Bike.

Ursprünglich war Patrick Schu Maurer, arbeitete im Betrieb des Vaters. Doch zu rau war ihm der Umgang im Baugewerbe. Er wollte etwas mit Perspektive tun, etwas, was für ihn sinnhaft ist. Sein Zivildienst im sozialen Bereich gab für ihn den Ausschlag. Er absolvierte die Ausbildung zum Erzieher und studierte an der Katholischen Stiftungsfachhochschule Kindheitspädagogik. Das erste Praktikum bei den ganz Kleinen im Kindergarten zeigte ihm seinen jetzigen Weg auf: „Man fühlt sich relativ schnell wohl. Kinder machen einem den Einstieg unwahrscheinlich leicht. Nicht immer, denn jedes Kind ist anders. Aber das Schöne ist das Positive, das von den Kindern zurück kommt. Das Herzliche und diese Freude. Man kann etwas Positives geben und man bekommt in der Regel etwas Positives zurück“, sagt Patrick Schu. Heute leitet der 42-Jährige den Kindergarten St. Johannes in Leuchtenberg. 

Als Erzieher gibt er den Kindern Halt und Orientierung. Er ist erstmal Spielpartner, der sich auskennt. Er gibt ihnen den Alltag, eine Struktur aber auch Regeln vor. „Es gibt Regeln, die man einhalten sollte. Dinge, die man nicht tun sollte und ich erkläre, warum man die nicht machen sollte. Die Kinder sollen aber selbst entscheiden und frei spielen können und nicht von uns abhängig sein“, betont Schu. Die große Verantwortung seiner Arbeit ist ihm bewusst: „Der Schlüssel zum Kind sind immer die Eltern. Wenn die Eltern sich wohl fühlen, wissen, dass ihr Kind gut bei uns aufgehoben ist, nur dann können sie das ihr Kind auch positiv spüren lassen“, sagt Schu, der selbst Vater von zwei kleinen Kindern ist.

Was er den Kindergartenkindern mitgeben will? „Einfach eine gute Zeit. Die Kinder kommen in die Schule und lernen alles – das passt schon. Lasst uns hier Spaß und eine schöne Zeit haben, Freunde sein, Werte erfahren, gut miteinander umgehen. Allen soll es dabei gut gehen, auch den Eltern!“

 

UTE DOß

Ute Doß

Wenn Ute Doß um 5 Uhr morgens ihren Dienst antritt, schlafen die meisten Altstadtbewohner noch. Sie ist die einzige weibliche Straßenreinigerin der Stadt Regensburg. Sie leert die Abfalleimer, räumt Flaschen weg und sammelt die Zigarettenkippen auf. Im Sommer entfernt sie das Unkraut aus den Fugen der Kopfsteinpflaster, im Herbst muss das Laub der Bäume zusammengekehrt werden. Im Winter räumt sie Schnee und streut die Gehwege. Dann beginnt sie ihre Arbeit schon nachts um 3 Uhr. Seit der Coronawelle, erzählt sie, gebe es wesentlich mehr Müll, „weil die Menschen viel mehr Essen und Trinken ‚To Go‘ kaufen“.

„Aber wir sind nicht nur Straßenreiniger. Wir werden ganz oft gefragt, wo es zu den Sehenswürdigkeiten geht, wo die nächste öffentliche Toilette zu finden ist, wo man gut einkaufen oder bayerisch essen gehen kann.“

Ute Doß macht ihre Arbeit Spaß: „Ich habe tolle Kollegen und ich sorge dafür, dass unsere Stadt sauberer ist. Das gibt mir ein gutes Gefühl!“ Die Regensburger begegnen ihr stets positiv. Hat sie Urlaub, dann wird sie von den Anwohnern auf ihrer Strecke vermisst: „Toll, dass es Euch gibt. Sonst könnten wir gar nicht mehr aus der Haustür treten!“, hat man ihr erst neulich gesagt.

Von den Besuchern und Bewohnern der Regensburger Altstadt wünscht sich Ute Doß: „Bitte zerdeppert nicht Eure Flaschen. Die kleinen Splitter sind so schwer zu beseitigen. Für die Fahrradfahrer, Hundebesitzer und kleinen Kinder kann das heikel sein. Auch die Hinterlassenschaften der Vierbeiner sollte jeder selbst aufnehmen und in die Abfalleimer entsorgen.“

 

FOLLOW YOUR HEART

Schwester Lucia, Schwester Eugenia, Schwester Florence und Schwester Lilian

Das Kloster St. Dominikus in Strahlfeld bei Roding liegt auf einer Anhöhe und ist bereits von weitem gut sichtbar. Mit seinen Obst- und Zierbäumen, den Gemüsebeeten und Bienenkästen wirkt es wie eine Oase. Hier leben die Missionsdominikanerinnen vom Hl. Kreuz Jesu. Es ist ein internationaler Orden, der seine Wurzeln in Afrika hat. Ein gesamtes Jahr leben hier auch die Schwestern Lucia und Lilian aus Kenia und die Schwestern Florence und Eugenia aus Simbabwe. „Wir arbeiten in der Wäscherei, der Küche, pflegen unsere älteren Schwestern im angeschlossenen Altenheim und bestellen den Garten“, sagt Schwester Florence. Ihr ganzer Stolz: Ein Gemüsefeld nach afrikanischem Vorbild. Hier wachsen üppige Kürbisse, Maispflanzen, Bohnen. Im Mittelpunkt steht aber immer ein Leben nach dem Evangelium. Mit ihren Mitschwestern feiern sie die Eucharistie, beten das Stundengebet. „Wichtig ist für uns aber auch das Studium. Wir lernen Neues über Spiritualität, unsere Beziehung zu Gott und wie wir gemeinsam seine Schöpfung schützen können“, erklärt Schwester Lucia.

Auch in ihrer Heimat Kenia und Simbabwe stellen die vier Ordensschwestern ihr Leben in den Dienst anderer Menschen. Sie arbeiten in Waisenhäusern, Kranken- und Altenheimen, Schulen oder kümmern sich um die Flüchtlinge, die aus dem Sudan nach Kenia kommen. „Bereits als Kind habe ich all das Leid gesehen, Menschen die Hilfe brauchen. Und ich habe die Priester und Schwestern gesehen, die sich für sie einsetzen. Eine innere Stimme hat mir gesagt, dass das der richtige Weg ist, mein Leben zu leben“, so Schwester Lilian. Die vier Schwestern sind sich einig: Es ist die Liebe zu Gott, die uns führt. Und wir erleben Ihn in den Menschen, denen wir begegnen. Wenn tief aus Deinem Herzen der Ruf kommt, diesen Weg zu gehen, dann musst Du ihm folgen. „Follow your heart!“, sagt Schwester Eugenia.

 

LAURA REICHWEIN

Laura Reichwein

Der Tod eines Menschen: Das ist der stärkste Verlust, den jeder erleben kann. Dann kann es sein, dass man Laura Reichwein aufsucht. Zusammen mit ihren Eltern führt sie den Landshuter Bestattungsdienst. Sie ist Bestattungsunternehmerin, ein anerkannter Ausbildungsberuf. Und sie ist Wirtschaftspsychologin mit dem Schwerpunkt menschliche Psychologie. Ihr Wissen ist wichtig, denn ihre Arbeit hat einen starken psychologischen Hintergrund.

Am Anfang steht ein Telefonat, dann folgt das persönliche Beratungsgespräch im Bestattungsinstitut. „Es geht darum, die Leute aufzufangen, sie runterkommen zu lassen, ihnen das Gefühl zu geben, dass man jetzt für sie da ist und dass sie in guten Händen sind. Erst dann werden alle weiteren Schritte besprochen. Von der Aufnahme der persönlichen Daten, der Organisation der kompletten Trauerfeier, bis hin zu einer gewissen Nachbetreuung. Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, brauchen einen Ansprechpartner, um das alles verarbeiten zu können“, erklärt die 27-Jährige.

Bei jedem Trauerfall herrscht Stress, vieles muss organisiert werden. Viele Angehörige nehmen in diesem Moment noch gar nicht den Verlust wahr. „Sie steigern sich in diese Aufgabe hinein bis die Beerdigung vorbei ist, um sich abzulenken, um zu funktionieren. Erst danach, wenn es ruhig wird... Das ist der wichtigste Punkt in einem Trauerfall. Dann braucht man jemanden, der einen auffängt. Je einsamer man ist, desto schwieriger ist es, da wieder rauszukommen“, weiß die Psychologin.

Das „Trauerjahr“ zu überwinden, ist für die meisten Menschen die schwierigste Phase. Nach einem Jahr, so Laura Reichweins Erfahrung, habe man sich meistens wieder gefangen und mit der neuen Situation arrangiert. „Wenn wir wissen, es gibt keine Bezugsperson, bleiben wir auch Wochen nach der Beisetzung in Kontakt. Um zu wissen, wie es der Person geht, damit sie sich nicht vergessen fühlt und weiß, dass sie jederzeit auf einen Kaffee vorbeikommen kann.“ Viele ehemalige Kunden sind seit Jahren mit den Mitarbeitern des Landshuter Bestattungsdienstes in Kontakt, besuchen sie oder bringen Kuchen vorbei.

Wie geht’s meiner Familie, wie geht’s meinem Nachbarn? Aufeinander schauen und Empathie füreinander entwickeln. „Das ist ein Wert, der etwas verloren gegangen ist. Wie schön wäre es, wenn die Menschen wieder mehr Zusammenhalt fänden. Das ist das Wichtigste, was uns alle durchs Leben trägt“, meint Laura Reichwein.

 

HERMANN REGER

Hermann Reger

Taufkirchen im Süden Niederbayerns hat 703 Einwohner. Den Mittelpunkt des Dorfes bilden die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und das Gasthaus Reger mit eigener Metzgerei. Die Wirtschaft ist ein Familienbetrieb – schon lange. Denn bereits der Großvater von Hermann Reger bewirtete hier seine Gäste. „Bei uns kommt nur das auf den Tisch, was ich selber produziere. Und ich stelle nur das her, was mir selber schmeckt“, sagt der 60-jährige Metzgermeister. 

Hermann Reger ist im Betrieb seines Vaters groß geworden. „Wenn ich aus der Schule kam, musste ich mithelfen. In der Schlachterei, im Laden oder im Gastraum. Das war damals so.“ Früher gab es mehrere Stammtische, die sich fast täglich beim Reger trafen. Das hat sich geändert. Die Jungen gehen heute lieber in ein Pub oder organisieren sich privat. Aber auch heute gibt es noch einen festen Stammtisch. 

Eine wöchentliche Konstante ist der Mittagstisch nach der Heiligen Messe am Sonntag. Dann gibt es sogar zwei Stammtische. „Wenn viel los ist, dann stehe ich hinter der Schank. Aber meine eigentliche Aufgabe ist es, mich um meine Gäste zu kümmern.. Er geht von Tisch zu Tisch. Unterhält sich mit den Leuten, setzt sich mit dazu. 

In Taufkirchen kennt man sich. Sepp, einer seiner ältesten Stammgäste kam zum ersten Mal als 16-Jähriger. Heute ist er fast 70 und sitzt noch immer jede Woche beim Reger. „Das sind Freunde“, betont Hermann Reger. Die Wirtsleute begleiten ihre Gäste in allen Lebenslagen: „Wir richten die Tauffeier aus, das Essen zur Kommunion, die Hochzeit und den Leichentrunk, wenn jemand gestorben ist. Von der Taufe bis zur Bahre – so sagt man bei uns“, erzählt der Gastwirt. 

 

 

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