Ein alter Mann hält einen kleinen Jungen im Arm

 

 

Die Sieben Sakramente:

Geschenke des Himmels

geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

Fotografie
Simon Gehr (Titelbild) und Bernhard Spoettel

„Gott liebt uns, so wie wir sind. Aber er liebt uns zu sehr, um uns zu lassen, wie wir sind.“ Das Wort der Kirchenlehrerin Teresa von Ávila begründet, warum es die Sakramente gibt. Es sind Geschenke Gottes für den Weg auf Erden, Stärkung und geistliche Mittel auf dem Weg zur Heiligkeit, auf dem Weg zu Gott, um – wie ein Zeitgenosse der Teresa, der heilige Johannes vom Kreuz sagte – an der göttlichen Natur Anteil zu nehmen: ein wenig zu werden wie die Liebe selbst. Etwas weniger theologisch könnte man mit den Worten von Benedikt XVI. sagen: „Die großen Dinge der Welt: das Leben, die Liebe, Gott – die kann man nicht machen, nur geschenkt bekommen.“

Die sieben Sakramente – Taufe, Beichte, Eucharistie, Firmung, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung – sind Weichenstellungen des Lebens. Sie markieren im Glaubensleben der Christen Geburt, Wachstum, Heilung und Sendung. Sie begleiten und bestimmen dieses und das natürliche Leben. Am wichtigsten ist dabei die Eucharistie, es ist das Sakrament der Sakramente. „Alle anderen Sakramente sind auf sie als auf ihr Ziel hingeordnet“, schreibt der Kirchenlehrer Thomas von Aquin. Kein Wunder: In diesem Sakrament begegnet Gott selbst in physischer Form, in Gestalt der Hostie, dem Menschen. In den anderen Sakramenten ereignet sich die Begegnung dagegen geistig. Die Gegenstände wie Chrisam-Öl oder Wasser sind Zeichen, Symbole für die offenen Arme Gottes für den Menschen, für seine Geschenke. 

Blick auf ein Taufbecken

Taufe: Siegel des ewigen Lebens

Blick auf ein Taufbecken

„Niemand kann sich selbst taufen. Niemand. Wir können darum bitten, es wünschen, aber wir brauchen immer jemanden, der uns dieses Sakrament spendet. Denn die Taufe ist ein Geschenk“ (Papst Franziskus). Und weil es ein Geschenk ist, nehmen gläubige Eltern es für ihre Kinder an; in der Überzeugung, das Beste für ihr Kind zu tun – so wie sie andere Entscheidungen für das Kind treffen, die für dessen Leben bestimmend und prägend sind. Die Taufe ist das Sakrament des Glaubens. Sie macht den Getauften zu einem Kind Gottes, lässt ihn Anteil nehmen an der göttlichen Natur, wie es im zweiten Petrusbrief heißt. Sie ist „das Siegel des ewigen Lebens“, so der Kirchenvater Irenäus (130 – 202). Das Wesentliche dieses Siegels sind die Worte: „N (Name des Täuflings), ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Äußere Zeichen sind das Wasser, die Salbung mit Chrisam-Öl, das Anlegen eines weißen Taufkleides und das Anzünden der Taufkerze.

Nach einem alten Brauch wird an Eltern und Paten oder den erwachsenen Täufling an der Schwelle der Kirchentür die Frage gestellt: „Was erbittest Du von der Kirche Gottes?“. Die Antwort: „Den Glauben.“ Dann erst zieht die Taufgemeinde in die Kirche ein. Denn die Taufe hat nicht nur eine persönliche, sondern auch eine soziale Dimension. Priester, Eltern, Geschwister, Taufpaten und Gäste empfangen den Taufanwärter in der Gemeinschaft der Kirche. Die Taufe gliedert in die Kirche ein, sie ist die Grundlage der Gemeinschaft aller Christen, das sakramentale Band der Einheit. Normalerweise tauft ein Priester oder Diakon, bei Lebensgefahr darf jeder taufen. Das nennt man dann Nottaufe.

Blick auf eine junge Frau, die aus einem Beichtstuhl heraus kommt

Beichte: Geschenk der Freiheit

Blick auf eine junge Frau, die aus einem Beichtstuhl heraus kommt

„Die meisten Menschen beichten am liebsten die Sünden anderer Leute“ – die tiefsinnige Bemerkung des britischen Schriftstellers Graham Greene weist auf allzu Menschliches hin, benennt aber auch das unangenehme Thema der Beichte: Die Sünde. Annelie Erhard, Studentin der Medienwissenschaften in Regensburg, hatte als Kind „immer etwas Angst vor dem Begriff Sünde und dadurch auch vor dem damit in Verbindung gebrachten Sakrament der Beichte“. Eine unnötige Angst. Denn, man beichtet ja für sich selbst, um sich von bestimmten Lasten zu befreien, indem man durch die Beichte die Sünden von sich löst. Das Sakrament löscht die Sünde von der Festplatte des Lebens. Ein anderer Schriftsteller, Werner Bergengruen, zeigt in seiner märchenhaften Novelle „Der spanische Rosenstock“ die Dimension dieser Versöhnung. Am Ende, nach vielen Irrungen kommt das Liebespaar Lysander und Octavia wieder zusammen und Lysander sagt den wunderbaren Satz: „Wohl erprobt sich die Liebe in der Treue, aber sie vollendet sich erst in der Vergebung.“ Beim Sakrament der Versöhnung geht es um diese Liebe, die ganz große Liebe ohne Grenzen. 

Es gibt eine einfache Formel für die Beichte: 3 x B + 1 x L + 2 x B. Sie bedeutet: Besinnen, Bereuen, Bekennen plus Lossprechung plus Buße und Bessern. Man findet sie im Youcat, dem Katechismus für Jugendliche. Es ist eine Formel für die Praxis. Das Wesen der Beichte liegt in einem anderen B: Barmherzigkeit. Der Pfarrer von Ars, Jean-Marie Vianney, zu dem unzählige Menschen von weit her kamen, nur um zu beichten, sagte es so: „Manche sagen: „Ich habe zu viel Böses getan, der liebe Gott kann mir nicht verzeihen.“ Das bedeutet, der Barmherzigkeit Gottes eine Grenze setzen. Sie hat aber keine, sie ist grenzenlos. Nichts beleidigt den lieben Gott so sehr, als an seiner Barmherzigkeit zu zweifeln.“ Das Sakrament der Versöhnung schenkt diese Grenzenlosigkeit. Deshalb wirkt es befreiend.

Blick von hinten auf einen jungen Mann, der in der Kirche steht

Eucharistie

Blick von hinten auf einen jungen Mann, der in der Kirche steht

Der Kaplan fragt im Unterricht den kleinen Giuseppe, ob er das mit der Realpräsenz denn wirklich begriffen habe. Der neunjährige Junge zeigt auf den Tabernakel und sagt: „Da ist der Heiland, wissen Sie mehr?“ Aus dem kleinen Giuseppe Sarto, der die Eucharistie glühend verehrte, wurde Papst Pius X., der 1906 die Dekrete erließ, die es auch Kindern erlaubten, zur Kommunion zu gehen. Er wusste, dass Kinder einen tiefen Glauben haben können, dass dazu aber auch eine gründliche religiöse Bildung gehört, damit der Glaube wachsen kann. Zu dieser Bildung gehört das Wissen von der wirklichen Gegenwart Gottes in der Eucharistie, eben der Realpräsenz. Nun sei das mit der Bildung so eine Sache, meint Josef Irl, Berufsoberschullehrer in Kelheim: sie reiche nicht, um zu glauben. Denn der Glaube sei auch ein Geschenk, „genauer eine Gnade“, die man annehmen könne – oder auch nicht. In der von den Meistern des Spätbarocks, den Architektenbrüdern Asam, vor rund dreihundert Jahren errichteten Kirche im Kloster Weltenburg fällt das noch relativ leicht – sie lädt ein zu Andacht und Dank. Hierhin kommt Lehrer Irl fast jeden Tag. Hier könne man schon glauben, dass „Gott in der Eucharistie durch alle Zeiten bei den Menschen bleiben und sie mit seiner Gegenwart stärken will“. Das könnten auch Kinder spüren. So sei es auch bei ihm gewesen. Und deshalb gehe er gern in die Messe, auch werktags. Hier schöpfe er Kraft aus dem Sakrament für den Alltag. „Gott schenkt sich“, sagt er und fragt zögernd ob der Wucht und Größe des Geschenks: „Ist das nicht unglaublich schön?“

Blick auf einen Bischof, der einen Jungen am Kopf berührt

Firmung: Siegel für das Leben

Blick auf einen Bischof, der einen Jungen am Kopf berührt

„Firmare“ heißt „stärken“. Die Firmung mache die Getauften zu „Christen mit Rückgrat“, sagt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Sie ist die Vollendung der Taufgnade. Der Heilige Geist stärkt durch dieses Sakrament den Christen im Glauben und schenkt ihm die Kraft, treu zu bleiben und den Glauben zu bekennen. Dass der Bischof das Sakrament spendet, zeigt an, dass der Firmling nun voll zur „Schicksalsgemeinschaft“ der katholischen Christen gehört. Das drücken auch die Worte aus, die der Bischof nach der Salbung mit Chrisam-Öl bei der Handauflegung spricht: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Es ist ein Siegel fürs Leben. Diese persönliche und zugleich gemeinschaftliche Dimension macht den so Gestärkten zum Zeugen für den christlichen Glauben. 

Es wird nun nicht jeder Gefirmte wie die Apostel „Gottes große Taten verkünden“ (Apostelgeschichte, 2,11). Aber der Christ sollte schon den Glauben tiefer kennenlernen wollen, ihn praktizieren und vor anderen Menschen mit seinem Verhalten bezeugen – er sollte den Glauben leben. Mindestens so, wie es in Taizé heißt: „Lebe das, was Du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“ Die Kraft, aufrecht als Christ durchs Leben zu gehen, hat der Firmling nun durch den Bischof vom Heiligen Geist empfangen und die Firmpatin oder der Firmpate – ein gläubiger, gefirmter Katholik – sollte ihm dabei mit Rat, Tat und Gebet zur Seite stehen.

Blick auf ein Hochzeitspaar mit ihren Trauzeugen in der Kirche

Ehe: Liebe und Leben

Blick auf ein Hochzeitspaar mit ihren Trauzeugen in der Kirche

Das Versprechen der Eheleute ist fürs Leben. Die entscheidenden Worte sind: „In guten wie in schlechten Tagen.“ Es heißt nicht: „Solange es gut geht.“ Die erste Formel verspricht wahre Freundschaft, die zweite nur eine ordentliche Geschäftsbeziehung. 

Bei der Ehe geht es um die Freundschaft des Lebens. „Gott selbst ist Urheber der Ehe“, sagt das zweite Vatikanische Konzil. Er ist sozusagen selbst Trauzeuge und Begleiter, der Beistand und Treue verspricht, damit sein „Meisterwerk“ (Zitat von Papst Franziskus) gelingt. Viele Päpste haben Großes zum Thema Ehe gesagt. Leo XIII. nennt die Ehe „die höchste Gemeinschaft und Freundschaft“. Und Benedikt XVI. setzt dem sozusagen die Krone auf, wenn er schreibt: „Das Sakrament der Ehe ist keine Erfindung der Kirche, sondern es ist wirklich mit dem Menschen als solchem mitgeschaffen worden, als Frucht der Dynamik der Liebe, in der Mann und Frau einander finden und so auch den Schöpfer finden, der sie zur Liebe berufen hat.“

Damit das Eheversprechen gültig ist, muss es in aller Freiheit gegeben werden und nicht nur „das Wohl der Ehegatten“ als eine der zwei Hauptaufgaben der Ehe anerkennen, wie das Kirchenrecht sagt, sondern auch die Bereitschaft bekunden, die Kinder anzunehmen, die Gott schenkt. Liebe und Leben – das ist die DNA der Ehe.

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Blick auf den Kaplan Martin Popp, der neben einem jungen Mann in der Kirche steht

Priesterweihe: Dasein für Gott und die Menschen

Blick auf den Kaplan Martin Popp, der neben einem jungen Mann in der Kirche steht

Ohne Priester keine Kirche. Denn ohne sie gibt es keine Wandlung, keine Lossprechung, keine Firmung, keine letzte Begleitung an der Schwelle zum Übergang in das ewige Leben. „Da sein, verfügbar sein“, nennt Kaplan Martin Popp deshalb den Kern seiner Berufung. Immer verfügbar sein, frei sein von irdischen Verpflichtungen, total im Dienste Gottes stehen – für die Menschen, für die Kirche. Diese totale Bereitschaft beseele ihn. „Es war anfangs wie ein Verliebtsein, Neugier, Interesse, Hinhören mit dem Herzen.“ Er sei dann immer stärker hineingewachsen, sein „Ja“ zum Ruf Gottes sei heute eine tägliche Liebeserklärung. Mit Freude, aus ganzem Herzen Priester sein – das habe auch Josef Grabmeier durch das Leben getragen. Mit seinen 96 Jahren hilft der Prälat auch heute überall aus, wenn ein Priester gebraucht wird und man ihn ruft – „solange die Beine mitmachen“. 67 Jahre sei er im Dienst und würde jederzeit wieder diesem Ruf folgen. Er sei „dankbar für das Geschenk der Berufung“. Gespürt habe er diesen inneren Ruf in der Kriegsgefangenschaft, „als ich sah, wie armselig der Mensch ist und wie sehr er die Hoffnung braucht für die Zukunft“. Diese Hoffnung „schenkt die Kirche“ und die Priester verkünden sie. „Alle anderen Hoffnungen sterben – die auf das ewige Leben nicht.“

Blick auf ein Kreuz und zwei Kerzen, die auf einem Tisch stehen

Krankensalbung: Arznei für Leib und Seele

Blick auf ein Kreuz und zwei Kerzen, die auf einem Tisch stehen

„Heilt Kranke!“, heißt es beim Evangelisten Matthäus (10,8). Bei Markus ist zu lesen: „In meinem Namen werden die Kranken, denen sie die Hände auflegen, gesund werden“ (16,17-18). Und Lukas berichtet, wie die Kranken Jesus berühren wollten: „Denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte“ (6,19). Das Sakrament der Krankensalbung ist Auftrag, Seelenmedizin, Stärkung. Die Zuwendung zu den Kranken und Alten gehört zum Wesen des Christentums: es ist Nächstenliebe pur. Wenn der Priester Stirn und Hände mit geweihtem Öl salbt, sagt er: „Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“ 

Es geht dabei nicht um eine medizinisch fragwürdige Methode wie einen indianischen Zauber – es geht um die Gesundheit des ganzen Menschen, an Leib und Seele. Das Sakrament schenkt Trost, inneren Frieden und mobilisiert dadurch nicht selten auch Kräfte, die den Körper auch physisch stärken. Es schenkt Heilung. Früher wurde das Sakrament vor allem Sterbenden gespendet, der Volksmund nannte es deshalb auch „letzte Ölung“. Heute wird es wieder „jenen gespendet, deren Gesundheitszustand bedrohlich angegriffen ist“, wie es in offiziellen Kirchentexten heißt. Es kann also durchaus öfter der gleichen Person gespendet werden. Es ist eine Gabe, die „das Vertrauen auf Gott erneuert und gegen die Versuchungen von Entmutigung und Todesangst stärkt“. 

Für weitere Informationen empfehlen wir www.sterben-trauern-hoffen.de 

Ein Kinderbild von Joachim Sina und seiner Schwester im Wohnzimmer

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