Blick auf die Illustration einer jungen Frau und verschiedenen anderen Personen im Hintergrund.

                    Ich bin:
                             frei!

Redaktion 
Stephan Baier

Illustrationen
Carina Crenshaw

Zehn Tipps für ein selbstbestimmtes Leben

Sind wir alle nur Opfer unserer Gene? Oder unserer Erziehung? Bestimmt ein Neuronen-Feuerwerk in unserem Gehirn was wir wollen, denken und tun? Gibt es überhaupt so etwas wie einen freien Willen – und damit ein Ich, das entscheidet und verantwortlich ist für seine Handlungen? Darüber diskutieren die Philosophen seit Platon. Und heute auch die Neurowissenschaftler und Psychiater. Höchste Zeit, von der abstrakten Freiheit zum konkreten selbstbestimmten Leben zu kommen: Wie können wir frei sein?
    

Blick auf die Illustration einer Hand, die das obere Stück einer Marionette in der Hand hält.

1

Seine Eltern hat sich keiner ausgesucht! 

Ja, es gibt die Vorgabe der Gene. Jeder von uns ist das Kind seiner Eltern. Anders als in der virtuellen Welt, ist in der realen jedes Leben konkret: Jeder von uns wurde an einem konkreten Tag und an einem konkreten Ort von einer ganz bestimmten Mutter geboren. Keiner hat sich selbst gestillt und gewickelt. Von Freiheit und Selbstbestimmung war da keine Rede. Dennoch: Schon als Babys haben die Eltern uns bestimmt – und wir sie! Als Pubertierende haben wir unter ihnen gelitten – und sie unter uns! Und als Erwachsene können wir selbst entscheiden: Wir können Ja sagen zu unserem konkreten Leben, zu unserem Weg – einschließlich Geburtsort, Geburtsdatum, Eltern, Geschwistern, Kinderkrankheiten. Zum bisherigen Lebensweg Ja zu sagen, ist die beste Voraussetzung, den vor uns liegenden Weg zu bestimmen.
 

2

Im Mittelalter wären wir alle Helden gewesen! 

Sicher, oder einer der Cäsaren in der römischen Antike. Aber es gibt nun einmal kein Leben im Konjunktiv. Wir können natürlich auch darüber jammern, warum wir ein Opfer unserer Erziehung und der Umstände sind. Dann werden wir mit Garantie unglücklich. Besser wird es uns gehen, wenn wir ganz bewusst im Hier und Heute unser eigenes Leben leben. Wenn schon nicht bis gestern, dann wenigstens ab heute.
    

3

Schuld und Scheitern gehören zum Leben. 

Ja, das tut weh – aber Schuld nicht nur bei den anderen zu verorten, sondern selber Verantwortung für Versagen und Scheitern zu übernehmen, macht frei. Übrigens: Nicht der ist klug, der nie irrt, sondern der, der seine Fehler erkennt und künftig vermeidet.
 

4

Mein Ich, mein Du und unser Wir. 

Wer Verantwortung für das eigene Leben übernimmt, für seine Erfolge und Misserfolge, der kann auch für andere Verantwortung übernehmen. Was wir tun und unterlassen, sagen und verschweigen, alles wirkt sich auf andere aus. Wer aus dem geschützten Reservat des egozentrischen Weltbildes heraustritt, merkt: Wir tragen ein Stück Verantwortung für unsere Eltern und unsere Kinder, für unsere Geschwister und unsere Kollegen, für unsere Freunde und für jene, die es werden sollten.

5

Es gibt kein Faulheits-Gen! 

„Ich hab ja gar nichts gemacht!“, war schon in der Kindheit keine gute Ausrede. Nichts zu tun, ist keine Lebensaufgabe. Wer der Trägheit nachgibt und der Arbeit weiträumig aus dem Weg geht, kann sich weder auf die Gene noch auf die Prägung durch Erziehung und Umwelt berufen. Nicht jeder kann ein Fußball-Star oder ein Weltklasse-Pianist werden, aber jeder von uns hat genug Talente und Begabungen, um etwas zu leisten, was andere freut und dem eigenen Leben Sinn gibt.
 

Blick auf die Illustration einer Gruppe von Menschen.

6

„Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“, 

heißt es in Dürrenmatts Drama „Die Physiker“. Unser Gedächtnis ist keine Computer-Festplatte, die wir nach Belieben neu aufsetzen könnten. Was wir hören und sehen, prägt uns – zumindest unser Unterbewusstsein. Darum sollten wir selber entscheiden, wen und was wir in unseren Kopf lassen: Nicht alles, was uns unterhaltsam scheint, tut uns auch gut. Lassen wir nicht aktuelle Trends und Tabus entscheiden, wovon wir uns beeinflussen lassen. Entscheiden wir selbst!

7

Großvater war auch kein Idiot! 

Nicht alles, was gerade im Trend liegt, muss gut für uns sein. Nicht alles, was modern ist, ist auch wahr. Die Summe der Tabus scheint immer gleich zu bleiben. Zumindest mehr oder weniger. Aber: Nicht alles Moderne ist richtig, nicht alles Vorgestrige ist überholt. Was gestern wahr war, könnte uns heute noch interessieren. 

8

Wir sind doch keine Sklaven auf der Galeere!

Warum sollen immer andere für uns entscheiden? Amazon weiß, was wir kaufen könnten; Google, was wir suchen sollten; Facebook, wen wir mögen müssen; Wikipedia, was wir wissen wollen… Behandeln wir sie alle doch als unsere nützlichen Idioten – statt ihre zu werden. Was alle beschäftigt, braucht nicht auch noch unsere Aufmerksamkeit. Was alle aufregt, ist für unser Leben vielleicht ganz irrelevant. Setzen wir unsere eigenen Prioritäten!

9

Unsere Daten leben ewig – wir nicht. 

Noch leben wir, aber die Erfahrung lehrt, dass unser Leben auf der Welt endlich ist. Dass Google unsere Daten für „die Ewigkeit“ speichern will, ist da kein Trost. Egal, ob wir noch 40 Jahre oder mehr vor uns haben: Diese Zeit wollen wir füllen und nutzen, nicht totschlagen! Und da ist „second life“ (wie der Name schon sagt) eben zweitrangig. Wer nur im Virtuellen lebt, wird am Ende seines Lebens feststellen, dass er nicht wirklich gelebt hat. Wer seine „friends“ auf Facebook wichtiger findet, als die Freunde im realen Leben, der versäumt definitiv das Beste. Also, weisen wir Mark Zuckerberg & Co. in die Schranken: Als verantwortungsvolle Erwachsene entscheiden wir selbst, wie viel Bier wir trinken und wie viel Zeit wir auf Facebook verbringen – alles andere wäre Suchtverhalten.
 

10

Es muss doch mehr als alles geben! 

Ein kluger Mann hat sein Christsein einmal so definiert: „Es gibt einen Gott. Aber ich bin es nicht – und du bist es auch nicht.“ Wer sich selbst für den Anfang und das Ende allen Sinns hält, wird mit Sicherheit unglücklich. Wenn wir (wer sonst?) ehrlich zu uns sind, erkennen wir an uns Licht und Schatten, Talente und Schwächen. Die haben die anderen aber auch: Wer den makellosen Ehepartner, den perfekten Chef, das Vorbild ohne Fehl und Tadel sucht, wird meist enttäuscht. Und doch gibt es etwas Größeres, das wir in unserem Leben wahrnehmen. Die Liebe zum Beispiel. Oder das Gute und Schöne. Allüberall finden wir in unserem Leben seine Spuren. Spüren wir ihnen nach!

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