Eine Person beißt in eine Zitrone und verzieht das Gesicht.

                                                              

 

 

                                                                      Transgender

Ein Kommentar vorn Dr. Manfred Lütz
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Theologe und Bestseller-Autor

Der Ausdruck Gender bezeichnet das soziale Geschlecht eines Menschen, die kulturell und gesellschaftlich geprägte Geschlechterrolle. Inzwischen gibt es allerdings ein paar Gender-Ideologen, die propagieren, es gebe im Grunde ganz viele Geschlechter, und man könne letztlich sein eigenes Geschlecht mehr oder weniger frei bestimmen. Und da gibt es auch die anderen, die mit solchen Auffassungen den Untergang des christlichen Abendlands gekommen sehen. Doch beide Extrempositionen sind falsch. Es gibt biologische Bedingungen, die man nicht durch freie Wahl beliebig ändern kann, und andererseits unterliegen die Geschlechterrollen gesellschaftlichen Einflüssen, wer wollte das ernsthaft bestreiten. Selbstverständlich müssen sich die Vereinten Nationen darum kümmern, die benachteiligte Rolle von Frauen zum Beispiel in Afrika mit wirksamen Maßnahmen zu ändern. 

Anfang der 90er Jahre sollte ich mich in einer Talkshow zur Transsexualität äußern. Ich hatte mit entsprechenden Patienten noch kaum zu tun gehabt. Mir war aber aus der psychiatrischen Literatur bekannt, dass solche Menschen sich im falschen Körper fühlen, also unter ihrer biologischen Geschlechterrolle mitunter extrem leiden und dann buchstäblich alles dafür tun, ihr Geschlecht zu wechseln, bis hin zu komplizierten Änderungsoperationen. Lange unterhielt ich mich damals mit einem katholischen Moraltheologen über die ethischen Aspekte solcher Operationen. Dabei wurde deutlich, dass der Begriff Transsexualität irreführend ist. Deswegen hießen die entsprechenden Selbsthilfegruppen auch „Transidentitas“. Denn Sexualität im Sinne sexueller Erregung spielt dabei überhaupt keine Rolle, im Gegensatz zu zum Beispiel dem Transvestitismus. Und die Frage nach 
der Ehefähigkeit steht moraltheologisch auf einem ganz anderen Blatt. Im Gespräch mit dem Moraltheologen wurde schnell klar, dass dann, wenn jemand so sehr unter seinen Körperformen leidet, dass er sogar suizidgefährdet ist, unter Umständen eine entsprechende Operation vertretbar ist. Sie ist dann genauso zu bewerten wie die Operation zum Beispiel einer extrem krummen Nase, unter der jemand im sozialen Kontakt schwer leidet. Dabei muss natürlich dennoch abgewogen werden, ob mit der Operation nicht Hoffnungen verbunden werden, die gar nicht zu erfüllen sind. Es gab auch sehr üble Verläufe nach Operationen, bis hin zum Wunsch zur Rückoperation. Ich lernte bei dieser Talk-Show dann eindrucksvolle, sehr ernsthafte Menschen kennen, die durchaus verständnisvoll mit der Tatsache umgingen, dass andere so eine innere Gefühlslage nur schwer nachvollziehen können.

Wenig später schickte mir ein Beichtvater einen Patienten, der praktizierend katholisch war, verheiratet, drei Kinder – und der deutlich depressiv war, weil er unter seinem männlichen Körper litt. Er war ein höchst differenzierter Mann, ein liebevoller Ehemann und treusorgender Vater. Er hatte einen guten Job, alles war ganz normal. Bis auf seinen unüberwindbaren Drang, sich als Frau zu zeigen, unter dem er aber glaubhaft schwer litt. Er hatte seiner Frau diese Tendenzen nur angedeutet, wollte jedenfalls seine Ehe fortsetzen und vor allem die Kinder nicht irritieren. Wir fanden schließlich einen Weg, dass er ab und zu am Wochenende allein in eine etwa 40 Kilometer weit entfernte Stadt fuhr und dort in Frauenkleidern herumlief. 

Es gibt heute Tendenzen, nicht nur den missverständlichen Begriff Transsexualität abzuschaffen, sondern solche Menschen auch nicht zu pathologisieren. In vielen Staaten sind bereits Möglich-keiten geschaffen worden, gegebenenfalls den Personenstand zu ändern. Papst Franziskus hat unlängst einen Transsexuellen empfangen und erklärt, Transsexuelle dürften nicht ausgegrenzt und müssten in christliche Gemeinden integriert werden. 

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